Der Leistungsfall: Was jetzt wirklich wichtig ist
Du bist berufsunfähig oder dein Arzt hat festgestellt, dass du es voraussichtlich sein wirst. Das ist eine belastende Situation – körperlich, emotional und finanziell. In dieser Situation ist es wichtig, dass deine Berufsunfähigkeitsversicherung reibungslos zahlt.
Aber: Der Weg zur Auszahlung ist nicht immer einfach. Viele Versicherte machen beim Leistungsantrag Fehler, die zu Verzögerungen oder sogar Ablehnungen führen. Dieser Guide erklärt dir, wie du den Prozess richtig angehst.
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Schritt 1: Den Versicherer frühzeitig informieren
Sobald absehbar ist, dass du voraussichtlich für mindestens 6 Monate nicht mehr in der Lage sein wirst, deinen Beruf zu mindestens 50% auszuüben, solltest du deinen Versicherer informieren.
Wichtig: Warte nicht zu lange. Viele gute Tarife leisten rückwirkend ab dem Beginn der Berufsunfähigkeit – aber nur wenn du den Leistungsantrag innerhalb bestimmter Fristen stellst. Außerdem: Je früher du dich meldest, desto früher fließt das Geld.
Schritt 2: Die Unterlagen zusammenstellen
Das ist oft der aufwendigste Teil. Für den Leistungsantrag brauchst du:
Von dir:
- Ausgefülltes Antragsformular des Versicherers
- Tätigkeit detailliert beschreiben: Was hast du zuletzt konkret gemacht? Wie viel Prozent Zeit für welche Aufgaben?
- Nachweis über bisherige und aktuelle Beschäftigung
Von deinen Ärzten:
- Ärztliche Atteste und Befundberichte
- Diagnosen mit ICD-Codes
- Behandlungsberichte der letzten Monate
- Prognose des behandelnden Arztes
Optional aber hilfreich:
- Gutachten eines Facharztes
- Bescheinigungen von Arbeitgeber oder Krankenkasse
Tipp: Bitte deinen Hausarzt und Facharzt frühzeitig um Unterstützung. Erkläre ihnen, dass du einen BU-Leistungsantrag stellst und welche Unterlagen du benötigst. Gute Ärzte kennen den Prozess.
Schritt 3: Den Beruf korrekt beschreiben
Das ist der häufigste Fehler im Leistungsantrag und einer der wichtigsten Punkte überhaupt: Die genaue Beschreibung deiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit.
Warum ist das so wichtig? Die BU leistet, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50% nicht mehr ausüben kannst. Der Versicherer prüft sehr genau, was du konkret gemacht hast – und ob du das tatsächlich nicht mehr kannst.
Konkret bedeutet das:
- Nicht nur die Berufsbezeichnung (z.B. „Buchhalter"), sondern eine genaue Aufgabenliste
- Prozentualer Zeitanteil für jede Aufgabe
- Körperliche Anforderungen beschreiben (Sitzen, Stehen, Heben etc.)
- Geistige und psychische Anforderungen beschreiben
Beispiel für eine gute Tätigkeitsbeschreibung:
| Aufgabe | Zeitanteil | Anforderung |
|---|---|---|
| Computerarbeit, Dateneingabe | 60% | Dauerhaftes Sitzen, Konzentration |
| Kundengespräche, Beratung | 20% | Kommunikation, Empathie |
| Besprechungen, Meetings | 10% | Stehen, Präsentation |
| Aktenverwaltung, Ablage | 10% | Leichtes Heben, Laufen |
Eine solche genaue Beschreibung hilft dem Versicherer – und dir, da sie beweist, dass du die betroffenen Tätigkeiten wirklich nicht mehr ausführen kannst.
Schritt 4: Prüfung durch den Versicherer
Nach Eingang aller Unterlagen prüft der Versicherer deinen Antrag. Das dauert in der Regel 4–12 Wochen, kann aber auch länger dauern.
Der Versicherer kann:
- Zusätzliche Informationen anfordern: Er darf bei deinen behandelnden Ärzten nachfragen (mit deiner Einwilligung)
- Einen eigenen Gutachter schicken: Er kann ein unabhängiges medizinisches Gutachten in Auftrag geben
- Den Antrag genehmigen: Du bekommst deine monatliche Rente – rückwirkend ab Beginn der BU
Was tun, wenn der Versicherer ablehnt?
Eine Ablehnung ist zunächst kein Grund zur Panik. Viele erfolgreiche Leistungsfälle beginnen mit einer Ablehnung.
Häufige Ablehnungsgründe
- 50%-Grenze nicht erreicht: Der Versicherer kommt zu dem Schluss, dass du deinen Beruf noch zu mindestens 50% ausüben kannst
- Abstrakte Verweisung: Bei schlechten Tarifen – du könntest theoretisch einen anderen Beruf ausüben
- Falsche Angaben im Antrag: Wenn bei den Gesundheitsfragen etwas verschwiegen wurde
So gehst du gegen eine Ablehnung vor
- Ablehnungsbegründung genau lesen: Aus welchem Grund lehnt der Versicherer ab?
- Widerspruch einlegen: Du hast das Recht, der Entscheidung zu widersprechen
- Spezialisierten Anwalt einschalten: Ein auf Versicherungsrecht spezialisierter Anwalt kennt die Argumente und Rechtsprechung
- Ombudsmann einschalten: Die Versicherungsombudsleute bieten kostenlose Vermittlung bei Streitigkeiten
Wichtig: Gib nicht auf. Viele Versicherte, die anfangs abgelehnt wurden, bekommen im Widerspruchsverfahren oder vor Gericht Recht.
Was passiert nach der Bewilligung?
Sobald dein Antrag genehmigt ist, erhältst du:
- Die vereinbarte monatliche Rente – rückwirkend ab Beginn der Berufsunfähigkeit
- Beitragsbefreiung: Du musst keine BU-Beiträge mehr zahlen
- Ggf. Leistungsdynamik: Die Rente steigt jährlich (wenn vertraglich vereinbart)
Nachprüfungsrecht des Versicherers: Der Versicherer hat das Recht, in regelmäßigen Abständen (oft alle 1–3 Jahre) zu prüfen, ob die Berufsunfähigkeit noch besteht. Du bist verpflichtet, an dieser Prüfung mitzuwirken und aktuelle Atteste zu liefern.
Fazit: Vorbereitung ist die halbe Miete
Im Leistungsfall zahlt sich aus, einen guten Tarif zu haben – und den Antrag sorgfältig vorzubereiten. Lass dir dabei helfen: Dein behandelnder Arzt, ein auf Versicherungsrecht spezialisierter Anwalt und unsere Experten stehen dir zur Seite.
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Weitere Informationen:
- Was tun, wenn die BU abgelehnt wurde?
- Berufsunfähigkeitsversicherung Vergleich: So findest du den besten Tarif
- Wertvolle Tipps zum Leistungsfall findest du auch bei den Experten von versicherungenmitkopf.de