Als Selbstständiger bist du dein größtes Risiko
Du bist Selbstständiger, Freiberufler oder Unternehmer? Dann ist deine Arbeitskraft nicht nur deine Einkommensquelle – sie ist dein gesamtes Geschäftsmodell. Wenn du ausfällst, fällt alles weg: Umsatz, Kunden, Aufträge.
Und genau hier liegt das Problem: Anders als Angestellte hast du als Selbstständiger keine gesetzliche Absicherung, die bei Berufsunfähigkeit einspringt. Kein Arbeitgeber, der dich weiterbeschäftigt. Kein Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse nach sechs Wochen. Keine ausreichende staatliche Erwerbsminderungsrente (sofern du überhaupt eingezahlt hast).
Du stehst allein da – es sei denn, du hast privat vorgesorgt.
Deshalb ist die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) für Selbstständige keine Option, sondern eine absolute Notwendigkeit.
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Warum Selbstständige besonders gefährdet sind
Selbstständige tragen ein doppeltes Risiko. Erstens das allgemeine Risiko, berufsunfähig zu werden – das trifft jeden vierten Arbeitnehmer. Zweitens fehlt bei Selbstständigen das Sicherheitsnetz, das Angestellte selbstverständlich als gegeben hinnehmen.
Konkret bedeutet das:
- Kein Krankengeld: Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt nach 42 Tagen Krankheit nur an freiwillig Versicherte mit entsprechendem Wahltarif. Pflichtversicherte Angestellte bekommen es automatisch.
- Keine oder kaum Erwerbsminderungsrente: Wer nicht oder wenig in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, erhält im Ernstfall entweder gar nichts oder eine verschwindend geringe Rente.
- Laufende Betriebskosten: Büro, Software, Mitarbeiter – die Fixkosten laufen weiter, auch wenn du nicht arbeitest.
- Kundenverlust: Wenn du mehrere Monate ausfällst, wandern Kunden zur Konkurrenz. Der Wiederaufbau dauert lang.
Beispiel: Ein selbstständiger Grafikdesigner erkrankt an einer schweren Depression und kann 14 Monate nicht arbeiten. Sein monatliches Einkommen von 4.500 € fällt komplett weg. Ohne BU muss er sein Erspartes aufbrauchen und Schulden machen. Mit einer BU bekommt er seine vereinbarte monatliche Rente von 3.500 € – und kann sich ganz auf die Genesung konzentrieren.
Die besonderen Herausforderungen beim BU-Abschluss als Selbstständiger
Selbstständige stehen beim BU-Abschluss vor einigen Besonderheiten, die du kennen solltest:
Einkommensnachweis und Rentenhöhe
Wie viel BU-Rente du versichern kannst, hängt von deinem nachgewiesenen Einkommen ab. Als Selbstständiger schwankt dein Einkommen oft – ein gutes Jahr, ein schlechteres Jahr. Die Versicherer orientieren sich dabei in der Regel an deinem Durchschnittseinkommen der letzten zwei bis drei Jahre (Steuerbescheide).
Empfehlung: Sichere mindestens 70–80% deines durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommens ab.
Abstrakte Verweisung – besonders wichtig für Selbstständige
Achte bei deinem Vertrag unbedingt auf den Verzicht auf abstrakte Verweisung. Das bedeutet: Der Versicherer darf dich nicht auf eine andere Tätigkeit verweisen, die du theoretisch noch ausüben könntest.
Ohne diese Klausel könnte ein Chirurg auf einen Bürojob verwiesen werden. Mit dieser Klausel gilt: Kannst du deinen zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr zu 50% ausüben, zahlt die Versicherung – Punkt.
Nachversicherungsgarantie nutzen
Als Selbstständiger kann dein Einkommen stark schwanken. Eine Nachversicherungsgarantie erlaubt dir, deine BU-Rente bei bestimmten Ereignissen (z.B. Umsatzsteigerung, Heirat, Geburt eines Kindes) ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Das ist für Selbstständige besonders wertvoll.
Welche BU-Rente brauchst du als Selbstständiger?
Bei der Ermittlung der richtigen Rentenhöhe solltest du als Selbstständiger neben deinen persönlichen Lebenshaltungskosten auch die beruflichen Fixkosten berücksichtigen.
| Kostenblock | Beispiel monatlich |
|---|---|
| Lebenshaltungskosten (Miete, Lebensmittel, etc.) | 2.200 € |
| Krankenversicherung (privat) | 450 € |
| Altersvorsorge (muss weiterlaufen!) | 500 € |
| Betriebliche Fixkosten (Büro, Software) | 600 € |
| Gesamt (Absicherungsbedarf) | 3.750 € |
Viele Selbstständige unterschätzen ihren Absicherungsbedarf erheblich. Gehe lieber etwas großzügiger ran – eine zu niedrige Rente rächt sich im Ernstfall.
BU kombinieren: Sinnvolle Ergänzungen für Selbstständige
Eine BU allein deckt nicht alle Risiken für Selbstständige ab. Diese Ergänzungen sind sinnvoll:
Krankentagegeld: Überbrückt die erste Phase einer längeren Krankheit, bevor die BU greift. Als Selbstständiger solltest du ab dem ersten Krankheitstag abgesichert sein.
Betriebsunterbrechungsversicherung: Sichert laufende Betriebskosten ab, wenn du ausfällst. Besonders relevant, wenn du Mitarbeiter oder hohe Fixkosten hast.
Private Altersvorsorge: Die BU zahlt keine Rentenpunkte für deine Altersvorsorge. Stelle sicher, dass diese parallel weiterläuft.
Was kostet eine BU für Selbstständige?
Die Kosten hängen von den üblichen Faktoren ab: Alter, Beruf, Gesundheit, Rentenhöhe und Laufzeit. Für Selbstständige sind die Beiträge oft etwas höher, da das statistische Risiko der Berufsunfähigkeit in vielen selbstständigen Tätigkeiten als leicht erhöht bewertet wird.
| Beruf | Alter | BU-Rente | Nettobeitrag (ca.) |
|---|---|---|---|
| Freiberuflicher IT-Berater | 30 | 3.000 € | 80 – 110 € |
| Selbstständiger Physiotherapeut | 35 | 2.500 € | 120 – 160 € |
| Unternehmensberater | 40 | 3.500 € | 130 – 180 € |
| Handwerksmeister (selbstständig) | 38 | 2.000 € | 150 – 220 € |
Schätzwerte; individuelle Faktoren können abweichen.
Mehr zu den genauen Kostenfaktoren erfährst du in unserem BU-Kosten-Ratgeber.
5 Tipps für Selbstständige beim BU-Abschluss
1. Früh abschließen: Als Selbstständiger hast du keine Zeit zu verlieren. Je früher du abschließt, desto günstiger der Beitrag – und desto wahrscheinlicher bist du noch ohne Vorerkrankungen.
2. Auf Beitragsfreistellung bei Berufsunfähigkeit achten: Im Leistungsfall solltest du keine Beiträge für die BU mehr zahlen müssen. Diese Klausel ist Standard, prüfe sie aber trotzdem.
3. Risikovoranfrage stellen: Lass unsere Experten anonym bei mehreren Gesellschaften anfragen. So vermeidest du eine Ablehnung mit Eintrag im gemeinsamen Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherer.
4. Laufzeit bis 67: Auch wenn du planst, früher in Rente zu gehen – sichere dich bis 67 ab. Du weißt nie, wie sich deine Pläne ändern.
5. Vertragsdetails prüfen: Kein abstrakte Verweisung, Prognosezeitraum 6 Monate, rückwirkende Leistung – diese Punkte sind bei Selbstständigen besonders relevant.
Fazit: Als Selbstständiger ist die BU kein Luxus
Für Selbstständige ist die Berufsunfähigkeitsversicherung die wichtigste Versicherung überhaupt. Kein staatliches Sicherheitsnetz, kein Arbeitgeber, der auffängt – du trägst das Risiko allein. Eine gute BU ist dein persönliches Sicherheitsnetz, das dich und dein Unternehmen schützt.
Investiere jetzt in deine Absicherung, bevor der Ernstfall eintritt.
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Weitere Informationen:
- Was kostet eine BU für Selbstständige?
- Gesundheitsfragen beim BU-Abschluss: Was du wissen musst
- Wertvolle Tipps für Selbstständige findest du auch bei den Experten von versicherungenmitkopf.de