BU-Ratgeber

BU kündigen oder beitragsfrei stellen: Was ist besser?

Du kannst deine BU-Beiträge nicht mehr zahlen? Erfahre, ob du deine Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen solltest – und was die Unterschiede sind.

Das Wichtigste in aller Kürze

  • Du kannst deine BU-Beiträge nicht mehr zahlen? Erfahre, ob du deine Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen solltest – und was die Unterschiede sind.
  • Bei einer Beitragsfreistellung bleibt dein Versicherungsschutz erhalten (wenn auch mit reduzierter Leistung), bei einer Kündigung verlierst du ihn komplett. Eine Kündigung sollte immer die letzte Option sein.
  • Eine verbindliche Annahme- oder Leistungsentscheidung trifft ausschließlich der jeweilige Versicherer nach vollständiger Prüfung.

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BU kündigen oder beitragsfrei stellen? Die wichtigste Entscheidung

Du stehst vor einer schwierigen Situation: Die Beiträge für deine Berufsunfähigkeitsversicherung sind zu hoch geworden, oder du kannst sie dir aktuell nicht mehr leisten. Jetzt fragst du dich: Soll ich kündigen oder die BU beitragsfrei stellen?

Die kurze Antwort: In den meisten Fällen ist die Beitragsfreistellung die bessere Wahl. Aber es kommt auf deine individuelle Situation an.

In diesem Ratgeber erfährst du:

  • Was der Unterschied zwischen Kündigung und Beitragsfreistellung ist
  • Welche Vor- und Nachteile beide Optionen haben
  • Wann eine Kündigung sinnvoll sein kann
  • Wie du deine BU beitragsfrei stellst
  • Welche Alternativen es gibt

Kurz & knapp: Bei einer Beitragsfreistellung bleibt dein Versicherungsschutz erhalten (wenn auch mit reduzierter Leistung), bei einer Kündigung verlierst du ihn komplett. Eine Kündigung sollte immer die letzte Option sein.

Was bedeutet "Beitragsfreistellung"?

Bei einer Beitragsfreistellung stellst du die Beitragszahlung ein, ohne den Vertrag zu kündigen. Der Versicherungsschutz bleibt bestehen, allerdings mit einer reduzierten Leistung.

Wie funktioniert das?

Wenn du deine BU beitragsfrei stellst, passiert Folgendes:

  1. Du zahlst keine Beiträge mehr
  2. Der Vertrag läuft weiter (bis zum vereinbarten Endalter)
  3. Die BU-Rente wird reduziert (auf Basis der bereits gezahlten Beiträge)
  4. Der Versicherungsschutz bleibt erhalten (für die reduzierte Rente)

Beispiel

Du hast eine BU mit einer vereinbarten Rente von 2.000 € pro Monat abgeschlossen. Nach 10 Jahren Beitragszahlung stellst du die BU beitragsfrei.

Ergebnis:

  • Deine BU-Rente wird auf z. B. 600 € pro Monat reduziert (abhängig davon, wie lange du bereits eingezahlt hast)
  • Wenn du berufsunfähig wirst, bekommst du diese 600 € pro Monat bis zum Vertragsende
  • Du zahlst ab sofort keine Beiträge mehr

Was bedeutet "Kündigung"?

Bei einer Kündigung beendest du den Vertrag komplett. Der Versicherungsschutz endet sofort.

Was passiert bei einer Kündigung?

  1. Du zahlst keine Beiträge mehr
  2. Der Vertrag endet sofort
  3. Du hast keinen Versicherungsschutz mehr
  4. Du bekommst eventuell einen Rückkaufswert (aber meist sehr gering oder gar nichts)

Beispiel

Du kündigst deine BU nach 10 Jahren.

Ergebnis:

  • Du hast ab sofort keinen BU-Schutz mehr
  • Wenn du berufsunfähig wirst, bekommst du keine Leistung
  • Du bekommst eventuell einen kleinen Rückkaufswert ausgezahlt (oft nur wenige hundert Euro oder gar nichts)

Beitragsfreistellung vs. Kündigung: Der direkte Vergleich

KriteriumBeitragsfreistellungKündigung
Versicherungsschutz✅ Bleibt erhalten (reduziert)❌ Endet komplett
Beitragszahlung✅ Entfällt✅ Entfällt
BU-Rente✅ Reduziert, aber vorhanden❌ Keine
Rückkaufswert❌ Wird nicht ausgezahlt⚠️ Meist sehr gering
Wiederaufnahme✅ Möglich (ohne erneute Gesundheitsprüfung)❌ Nur mit neuem Vertrag (+ Gesundheitsprüfung)
Kosten✅ Keine✅ Keine
Empfehlung⭐⭐⭐⭐⭐

Wann ist eine Beitragsfreistellung sinnvoll?

Eine Beitragsfreistellung ist in folgenden Situationen die richtige Wahl:

1. Vorübergehende finanzielle Engpässe

Du hast aktuell finanzielle Probleme (z. B. Jobverlust, Elternzeit, Studium), aber du gehst davon aus, dass sich deine Situation wieder verbessert.

Vorteil: Du behältst einen Grundschutz und kannst die Beitragszahlung später wieder aufnehmen – ohne erneute Gesundheitsprüfung.

2. Du bist noch jung und gesund

Wenn du jung und gesund bist, hast du theoretisch die Möglichkeit, später eine neue BU abzuschließen. Aber: Eine Beitragsfreistellung ist trotzdem besser, weil:

  • Du dir die Möglichkeit offenhältst, den alten Vertrag wieder zu aktivieren
  • Dein Gesundheitszustand sich verschlechtern könnte (dann bekommst du keine neue BU mehr)
  • Die Beiträge für eine neue BU höher sein werden (weil du älter bist)

3. Du hast bereits Vorerkrankungen

Wenn du bereits Vorerkrankungen hast, ist eine Beitragsfreistellung unbedingt zu empfehlen. Denn:

  • Du bekommst mit Vorerkrankungen wahrscheinlich keine neue BU mehr
  • Der reduzierte Schutz ist besser als gar kein Schutz

4. Du bist unsicher, ob du die BU wirklich nicht mehr brauchst

Wenn du dir nicht sicher bist, ob du die BU wirklich kündigen willst, ist die Beitragsfreistellung die sichere Variante. Du kannst sie später immer noch kündigen, aber eine Kündigung kannst du nicht rückgängig machen.

Wann kann eine Kündigung sinnvoll sein?

Es gibt nur sehr wenige Situationen, in denen eine Kündigung wirklich sinnvoll ist:

1. Du hast eine bessere BU gefunden

Wenn du eine neue BU mit besseren Konditionen abgeschlossen hast (z. B. günstigere Beiträge, bessere Leistungen), kannst du die alte BU kündigen.

Wichtig: Schließe die neue BU erst ab, bevor du die alte kündigst. So stellst du sicher, dass du durchgehend versichert bist.

2. Du brauchst den Rückkaufswert dringend

Wenn du dringend Geld brauchst und einen nennenswerten Rückkaufswert hast, kann eine Kündigung eine Option sein.

Aber: Der Rückkaufswert ist meist sehr gering (oft nur 10-30 % der eingezahlten Beiträge). Prüfe vorher, ob es sich wirklich lohnt.

3. Du bist bereits anderweitig abgesichert

Wenn du z. B. Beamter bist und eine Dienstunfähigkeitsversicherung hast, oder wenn du eine sehr gute betriebliche Absicherung hast, kann eine Kündigung sinnvoll sein.

Aber: Prüfe genau, ob die andere Absicherung wirklich ausreicht.

So stellst du deine BU beitragsfrei

Die Beitragsfreistellung ist unkompliziert:

Schritt 1: Kontaktiere deine Versicherung

Ruf bei deiner Versicherung an oder schreib eine E-Mail. Teile mit, dass du deine BU beitragsfrei stellen möchtest.

Schritt 2: Fülle das Formular aus

Die Versicherung schickt dir ein Formular. Fülle es aus und schicke es zurück.

Schritt 3: Bestätigung abwarten

Die Versicherung bestätigt dir die Beitragsfreistellung schriftlich. Ab diesem Zeitpunkt zahlst du keine Beiträge mehr.

Schritt 4: Unterlagen aufbewahren

Bewahre alle Unterlagen gut auf. Du bekommst eine neue Police mit der reduzierten BU-Rente.

Wichtig: Die Beitragsfreistellung ist kostenlos und jederzeit möglich. Du brauchst keinen besonderen Grund anzugeben.

Kann ich die Beitragszahlung später wieder aufnehmen?

Ja! Das ist einer der größten Vorteile der Beitragsfreistellung.

Du kannst die Beitragszahlung jederzeit wieder aufnehmen – ohne erneute Gesundheitsprüfung. Deine BU-Rente wird dann wieder auf den ursprünglichen Wert erhöht.

Beispiel

Du hast deine BU mit 2.000 € Rente beitragsfrei gestellt. Die Rente wurde auf 600 € reduziert. Nach 3 Jahren nimmst du die Beitragszahlung wieder auf.

Ergebnis:

  • Deine BU-Rente steigt wieder auf 2.000 € (oder sogar mehr, wenn du die Dynamik aktiviert hast)
  • Du zahlst wieder die normalen Beiträge
  • Du musst keine erneute Gesundheitsprüfung machen

Wichtig: Informiere dich bei deiner Versicherung über die genauen Bedingungen. Manche Versicherer haben Fristen (z. B. "Wiederaufnahme nur innerhalb von 5 Jahren möglich").

Alternativen zur Kündigung oder Beitragsfreistellung

Bevor du deine BU kündigst oder beitragsfrei stellst, prüfe diese Alternativen:

1. Beitrag reduzieren

Viele Versicherer erlauben es, die BU-Rente (und damit den Beitrag) zu reduzieren, ohne den Vertrag beitragsfrei zu stellen.

Beispiel: Du reduzierst deine BU-Rente von 2.000 € auf 1.000 €. Dein Beitrag halbiert sich dadurch.

Vorteil: Du behältst einen höheren Schutz als bei der Beitragsfreistellung.

2. Dynamik aussetzen

Wenn du eine Dynamik vereinbart hast (automatische Beitragserhöhung), kannst du diese aussetzen. Das spart Geld, ohne den Schutz zu reduzieren.

3. Zahlweise ändern

Wenn du monatlich zahlst, wechsle auf jährliche Zahlung. Das ist oft 3-5 % günstiger.

4. Leistungen anpassen

Manche Versicherer erlauben es, bestimmte Zusatzleistungen (z. B. Beitragsbefreiung bei Arbeitslosigkeit) zu streichen, um den Beitrag zu senken.

5. Mit der Versicherung verhandeln

Ruf bei deiner Versicherung an und erkläre deine Situation. Manche Versicherer bieten Kulanzlösungen an (z. B. vorübergehende Beitragsreduzierung).

Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

Fehler 1: Vorschnell kündigen

Viele kündigen ihre BU vorschnell, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Eine Kündigung ist endgültig und kann nicht rückgängig gemacht werden.

Lösung: Prüfe erst alle Alternativen (Beitragsfreistellung, Beitragsreduzierung etc.).

Fehler 2: Rückkaufswert überschätzen

Viele erwarten einen hohen Rückkaufswert bei der Kündigung. In Wirklichkeit ist er meist sehr gering oder gar nicht vorhanden.

Lösung: Frag bei deiner Versicherung nach, wie hoch der Rückkaufswert ist, bevor du kündigst.

Fehler 3: Keine neue BU vor der Kündigung abschließen

Wenn du eine neue BU abschließen willst, kündige die alte erst, nachdem die neue Police unterschrieben ist.

Lösung: Schließe die neue BU ab, warte auf die Bestätigung und kündige dann die alte.

Fehler 4: Fristen nicht beachten

Manche Versicherer haben Fristen für die Wiederaufnahme der Beitragszahlung nach einer Beitragsfreistellung.

Lösung: Informiere dich bei deiner Versicherung über die genauen Bedingungen.

Fazit: Beitragsfreistellung schlägt Kündigung

In den allermeisten Fällen ist die Beitragsfreistellung die bessere Wahl. Du behältst einen Grundschutz, kannst die Beitragszahlung später wieder aufnehmen und hast keine Nachteile.

Die wichtigsten Punkte:

  • Beitragsfreistellung: Schutz bleibt erhalten (reduziert), keine Beiträge
  • Kündigung: Schutz endet komplett, meist kein nennenswerter Rückkaufswert
  • Beitragsfreistellung ist jederzeit und kostenlos möglich
  • Wiederaufnahme der Beitragszahlung ist ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich
  • Kündigung sollte nur die letzte Option sein

Unser Tipp: Bevor du deine BU kündigst oder beitragsfrei stellst, prüfe, ob du wirklich noch versicherbar bist. Mit unserem kostenlosen Vorqualifizierungs-Tool findest du es in nur fünf Minuten heraus!

Mehr zum Thema BU-Wechsel erfährst du in unserem BU-Wechsel-Ratgeber. Und wenn du wissen willst, wie du deine BU-Beiträge senken kannst, schau dir unseren Kosten-Guide an.

Weitere hilfreiche Artikel:

Mehr Infos zum Thema BU-Kündigung findest du auch bei Versicherungen mit Kopf.

Häufige Fragen

Wovon hängt die Entscheidung für eine BU ab?

Versicherer betrachten unter anderem Beruf, Gesundheitsangaben, Alter, Hobbys, gewünschte Rentenhöhe und die Vertragsbedingungen. Die Bewertung kann deshalb von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich ausfallen.

Was sollte ich vor einem Antrag vorbereiten?

Ordne deine Tätigkeitsbeschreibung und die abgefragten Gesundheitszeiträume sorgfältig. Bei unklaren Angaben kann eine anonyme Risikovoranfrage vor einem formellen Antrag sinnvoll sein.

Ist eine Online-Ersteinschätzung verbindlich?

Nein. Eine digitale Prüfung dient nur der Orientierung. Verbindlich ist erst die individuelle Entscheidung des Versicherers auf Grundlage eines vollständigen Antrags.

Nächste Schritte

Bedarf sowie Berufs- und Gesundheitsangaben sorgfältig ordnen. Die digitale Prüfung ist eine unverbindliche Orientierung; eine verbindliche Entscheidung trifft erst der Versicherer zu einem vollständigen Antrag.

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Quellen und redaktionelle Prüfung

Dieser Artikel wurde nach der Redaktionsrichtlinie geprüft.